Erfahrungsberichte

Erfahrungsbericht von Elli Hien – Volunteereinsatz in Ipuli, Tabora / Tansania

September 2013 – Februar 2014

 

 elli in taboraIch war im Zeitraum von September 2013 bis Februar 2014 in Ipuli, Tabora und habe die SFS School und das SFS Boy’s Home unterstützt.

Ich war sehr gespannt, was mich in diesem knapp halben Jahr als Volunteer alles erwarten wird. Ich selbst habe frisch mein Studium beendet und wollte nochmal weg bevor mich das Arbeitsleben einholt. Etwas Gutes tun und ein freiwilliges halbes Jahr in Afrika zu verbringen lag mir schwer am Herzen. So hat es mich umso mehr gefreut, als mir eine Freundin von FOSTER in Tabora vorgeschwärmt hat, es mir wärmstens empfohlen hat und ich letztendlich auch dort hin durfte.

Von meinem Volunteereinsatz erhoffte ich mir durch den längeren Auslandsaufenthalt und dem Erleben eines „Arbeitsalltags“ in Tansania einen vertieften Einblick in die Kultur dieses Landes zu bekommen. Ich wollte erfahren, wie die Menschen dort leben und ihren Alltag verbringen. Die Kinder zu unterstützen und ihnen eine Hilfe sein war jedoch mein größter Beweggrund für dieses Abenteuer.

Afrika hatte mich als Kontinent schon immer fasziniert und interessiert. Ich habe während meiner freiwilligen Arbeit das Land und seine Leute kennen und lieben gelernt. Durch meine Zeit in Ipuli, die Reisen, die ich unternommen habe und durch Ausflüge mit den Priestern in kleine Dörfer, konnte ich tolle Einblicke in das Leben und den Alltag von Familien bekommen und hatten interessante und spannende Begegnungen. Der Empfang von den meisten Einheimischen war sehr freundlich und höflich, und ich habe mich sofort willkommen gefühlt. Die Menschen sind offener als in Deutschland und ich glaube ich tauschte in Tansania an einem Tag so viele Begrüßungsfloskeln aus, wie in Deutschland in einer Woche. Trotzdem bin ich auch auf kritische Tansanier gestoßen, die beispielsweise beleidigt reagierten, wenn das Suaheli nicht ihren Erwartungen entsprach. Des weiteren wird man immer als „reicher Weißer mit viel Geld“ gesehen. Aber auch wenn ich als „Weiße“ grundsätzlich angestarrt wurde, als „Mzungu“ bezeichnet und ich mich als ein Exot fühlte, konnte ich mich daran schnell gewöhnen. „I love you, Mzungu“ zugerufen zu bekommen, vermisse ich hier zurück in Deutschland sogar.

Meine Erwartungen haben sich definitiv erfüllt und wenn ich jetzt an meinen damaligen Volunteereinsatz denke, habe ich immer ein Lächeln auf dem Gesicht, erinnere mich an das wunderschöne Abenteuer und habe gleichzeitig Sehnsucht nach dem Land, den Leuten und vor allem den Jungs aus dem Boys Home. Ich hatte die Gelegenheit intensiv mit den Jungen des Kinderheimes in Kontakt zu kommen, mit ihnen zu arbeiten, zu spielen und eine Beziehung aufzubauen. Dass ich bereits viel Erfahrung mit Kindern hatte, war mir eine große Hilfe im Umgang mit ihnen, da ich so weniger Berührungsängste hatte. Laura, ein weiterer Volunteer – insgesamt waren wir vier Volunteers aus Deutschland, die zur gleichen Zeit in Ipuli waren -, war mit mir nachmittags im Boys Home. Erst haben wir ca. eine Stunde Nachhilfe in Mathe und Englisch für die Kleinsten gegeben – insgesamt hatten wir sieben Schüler – und danach noch mit allen Jungs gespielt. Das Kartenspiel UNO, das wir aus Deutschland mitgenommen haben, wurde definitiv das Lieblingsspiel aller Jungs. Sehr gerne haben sie es nach ihren eigenen Regeln gespielt. Auch Luftballons, Frisbeescheiben, Hüpfseil, Basteln, Tanzen, Musik hören, oder einfach nur in den Sand malen oder Lehmfiguren modellieren konnte die Jungs begeistern. Ich bewunderte die Kreativität der Kinder. Gekauftes Spielzeug gab es sehr wenig. Es brauchte jedoch zum Beispiel nur eine Schnur und ein Holzstück oder eine Wasserflasche und es wurde ein Spielzeug gebaut, an dem die Jungs teilweise mehr Freude hatten, als ein Kind in Deutschland an dem neuesten Computerspiel.

Toll war es, als die Jungs im November 2013 in das neue Boys Home neben das Priesthouse gezogen sind. Das neue Boys Home hat die Lebensqualität der Jungs sehr gesteigert. Die Räumlichkeiten, Küche, Schlafsäle usw. sind nun groß, neu und sauber. Auch die Nähe zu den Priestern, Simba Clay und uns hat alle mehr zusammenwachsen lassen und wir waren nun alle eine große Familie. Es war schön die Jungs immer um einen zu haben. Es hat uns ermöglicht eine stärkere Beziehung zu Ihnen aufzubauen. Jeder der Jungs hat bereits einiges in seinem Leben durchgemacht und meistens etwas Schlimmes erlebt. Aber jeder Einzelne hat eine großartige Persönlichkeit und ist sehr liebenswert.
Ein Besonderes Erlebnis mit den Jungs war Weihnachten und Silvester. Über Weihnachten war nur ein Teil der Jungs im Boys Home – diejenigen, die keine Familie oder Verwandtschaft hatten, die sie über die Schulferien und Feiertage besuchen hätten können. Um uns auf die Festtage einzustimmen, backten wir mit den Jungs leckere Plätzchen und bastelten weihnachtliche Dekoration, um das neue Boys Home zu schmücken. Am Tag von Heilig Abend wurde in Teamarbeit eine wunderschöne Krippe – wenn auch etwas kitschig – vor dem Priest House aufgebaut, wo am Abend die Messe gehalten wurde. Mir wurde an Weihnachten in Tabora wieder verstärkt bewusst, dass es kein Fest der Geschenke ist, sondern es darum geht die Geburt von Jesus Christus zu feiern, dankbar zu sein, und Zeit mit Freunden und Familie zu verbringen.
An den Tagen vor Silvester kamen alle Jungs zurück um gemeinsam in das neue Jahr zu starten. Am 30. Dezember bastelten wir mit den Jungs zusammen Partyhüte und freuten uns sehr, dass am Abend der Feierlichkeit alle – auch die Priester, Brüder und Home Boys – unsere Hüte aufgesessen haben. Das neue Jahr wurde mit selbstgebackenem Kuchen, Soda für jeden und gemeinsamen Tanzen willkommen geheißen. Meine Wunderkerzen, die ich aus Deutschland für diesen Anlass mitgebracht hatte, waren ein Highlight – trotz der anfänglichen Berührungsängste. Der Abend war ein wunderschöner Start in das Neue Jahr.
Wir hatten immer viel Spaß mit den Jungs und sie waren uns auch immer eine große Hilfe, sei es beim Fahrradrichten, Ungeziefer verjagen, oder Früchte pflücken. Die ersten paar Wochen nach unserer Ankunft in Tabora mussten die Jungs erst mit uns warm werden und es hat ein bisschen gedauert bis sie uns akzeptiert haben, aber je mehr Zeit wir mit Ihnen verbracht haben, desto besser wurde es.

In der Primary School war es ähnlich. Nach anfänglichen Schwierigkeiten haben wir schnell Struktur in unseren Lehrplan und in die Unterrichtsstunden gebracht. Marina, ein weiterer Volunteer, hat mit mir zusammen vormittags in der Schule unterrichtet. Es war sehr hilfreich, dass Marina Sonderpädagogik auf Lehramt studiert und viel Erfahrung und Wissen über den Umgang mit Schülern und über Unterrichtsplanung und -gestaltung mitbrachte. Vor allem zu Beginn hatten wir mit den Klassengrößen von 50 bis 70 Schülern und damit, dass für uns die Gesichter der Schüler alle gleich aussahen, zu kämpfen. Hinzu kam die Schuluniform, die es ebenso erschwerte Schüler auseinanderzuhalten. Weitere Herausforderungen waren, dass die Schüler ausschließlich Frontalunterricht und viel Drill gewöhnt waren. Es gibt hier auch die Prügelstrafe. Sobald die Schüler jedoch gemerkt hatten, dass wir nicht schlagen, war es eine Herausforderung sich trotzdem Respekt zu verschaffen und Disziplin zu wahren. Obwohl wir selber die Kinder nie geschlagen hätten, haben wir täglich miterlebt, dass die Kinder teilweise – unserer Meinung einfach nur grundlos – mit dem Stock geschlagen wurden. Dies ging uns sehr nah. Ich werde niemals verstehen, wie dies befürwortet und ein Teil der Kultur dort sein kann. Trotzdem machte die Arbeit in der Primary School sehr viel Spaß. Von Vorteil war es, dass wir zu zweit die Klassen gehalten und den Unterricht vorbereitet haben. Wir konnten sehr frei arbeiten und den Unterricht so gestalten, wie wir es am sinn- und wirkungsvollsten hielten. Die Schüler kamen gerne zu uns, da wir andere Methoden und Unterrichtsformen hatten, als die Schüler gewohnt waren und so unser Unterricht eine Abwechslung für sie darstellte. Da sich in unserem Raum auch die Schulbücherei befand, übernahmen wir ab Januar 2014 die Leitung der Bücherei, da die vorherige Mitarbeiterin aufgehört hatte. Außerdem halfen wir im Office bei kleineren Arbeiten, wie Tippen der Abschlussexamen, Packen der Schultüten mit Unterrichtsmaterialien für das nächste Schuljahr.

Besonders hat mir an meinem Volunteereinsatz in Tabora gefallen, dass meine Arbeitsbereiche sehr abwechslungsreich waren. Diese Abwechslung kam vor allem durch die Größe des FOSTER-Komplexes und den unterschiedlichen Einrichtungen zu Stande. Vor allem die Variation zwischen meinem Vormittag in der Primary School und dem Nachmittag mit den Jungs empfand ich als sehr angenehm. Mit den Schulen, den Jungs im Kinderheim, dem Mädchenhostel, und mit den Blinden und Albinos war immer etwas geboten.

Da das Leben in Afrika sich definitiv von meinem bisherigen Leben in Deutschland unterschieden hat, musste ich mich erst an einiges gewöhnen, wie z.B. an das Essen, in dem des öfteren Steine zu finden waren, an Fleisch mit Knochensplittern, Reis mit Öl, ewig lange Begrüßungsfloskeln, Suaheli, fehlende Pünktlichkeit, das Motto „polepole“, überfüllte Busfahrten, an die einfachen Lebensbedingungen, kein fließend Wasser im Haus zu haben, mit kaltem Brunnenwasser zu duschen, häufige Stromausfälle, viele Insekten, Mücken, Skorpione, ständig kaputte Fahrräder, „Mzungu“ genannt zu werden, immer angestarrt zu werden, heiße Temperaturen, Gottesdienste von 2,5 Stunden, …. um nur ein paar Dinge aufzulisten. Aber die anderen Volunteers und ich konnten uns schneller als Gedacht an solche Sachen gewöhnen. Und es gibt auch Einiges, was ich lieben gelernt habe und sehr vermisse, wie z.B. Chabati, Sonnenuntergänge und den Sternenhimmel in Tansania, die Jungs vom Waisenhaus, Sansibar, am Markt Einkaufen zu gehen, Pikipiki fahren, frische Früchte vom Garten ernten, Serengeti Bier, tansanische Musik, ein Teil der FOSTER Familie zu sein, und vieles mehr … .

Die Zeit in Tabora war für mich eine wahnsinnige Bereicherung, die ich nicht missen möchte. Ich habe vieles für mich aus dieser Zeit mitgenommen. Ich habe mein bestes gegeben, um mich zu integrieren und anzupassen. Die Jungs sind mir bereits nach sehr kurzer Zeit enorm ans Herz gewachsen, und sie wieder zu verlassen war eins der schwersten Dinge. Ein Teil von mir ist in Ipuli geblieben und daher hoffe ich die Jungs, die Priester und alle großartigen Menschen, die ich dort kennenlernen durfte, bald wieder zu sehen.

Wir zu Besuch in Ostafrika

Ein Reisebericht von Rosemarie Vielreicher, 31. Mai 2014

Uganda hat die durchschnittlich jüngste Bevölkerung der Welt – umso wichtiger ist der Ausbau der Bildungsmöglichkeiten.

Uganda hat die durchschnittlich jüngste Bevölkerung der Welt – umso wichtiger ist der Ausbau der Bildungsmöglichkeiten.

Schultaschen, Stifte, Fußbälle, Trikots, Spielzeugautos, Luftballons und mehr – die Koffer sind bis oben hin vollgepackt mit Mitbringsel für die Kinder in Ostafrika. Zusammen mit Pater Thomas Varghese machen sich die zwei Mitglieder von Maisha Pamoja, Ingrid und Rosemarie, im Oktober 2013 auf nach Uganda und Tansania.

Beide waren schon einmal beim Projekt in Tabora in Tansania. Die Freude auf das Wiedersehen mit den Kindern und den Patern ist daher groß. Zugleich wird aber nicht nur Tabora im Westen von Tansania besucht, sondern ausgehend von Kampala, der Hauptstadt von Uganda, die Region Iyolwa, in der ab September 2014 ein neues Foster-Projekt unter der Leitung von Pater Thomas entstehen soll. Im Oktober 2013 steht das Schulprojekt aber noch ganz am Anfang.

In Uganda prallen zwei Gegensätze aufeinander: die Landschaft ist wunderschön, der Ursprung des Nils ist ein Besucher-Magnet, die Äquator-Linie ebenfalls. In Iyolwa angekommen – dort sollen unter anderem ein Kinderheim, eine Grund- und weiterführende Schule entstehen – wird aber auch die Armut und Hilflosigkeit der Menschen in der Region deutlich: es gibt dort bislang keine Secondary-Schule, bis zu 160 Kinder sind in ein Klassenzimmer gepfercht. Nach der vierten Grundschulklasse ist dann Schluss, weil es keine weiteren Bildungsmöglichkeiten in der Region gibt. Lehrer werden seit Monaten nicht bezahlt, auch Strom, Trinkwasser und Kläranlagen gibt es dort nur für einen kleinen Teil der Bevölkerung. 40 Prozent der Kinder wachsen als Waisen auf.

School Day in Tabora

School Day in Tabora

Pater Thomas spricht bei der Ostafrika-Reise mit den Verantwortlichen, handelt erste wichtige Vereinbarungen für das neue Projekt aus. Schon im März 2014 wird er erneut dorthin fliegen.Zehn Hektar Land wurden bereits von der Mission gekauft. Bis 2020 sollen dort ein umfassendes Schul- und Bildungssystem und zugleich ein Zuhause für Jungen und Mädchen ohne Eltern entstehen. Wie damals auch in Tabora.

Dorthin geht die Reise über Jinja, Kampala und Kahama weiter.  In Tabora werden wir herzlich begrüßt – mit einem gemeinsamen Abendessen mit den Jungs im Boys´ Home. Die haben mit dem neuen Bruder Patricks auch einige Tänze und Gesänge einstudiert. Endlich können wir auch unsere Koffer leeren und den Kindern mit den kleinen Geschenken ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Momentan wird dort ein neues Heim für die Jungen gebaut, wofür Maisha Pamoja auch gespendet hat. Fünf Tage werden wir insgesamt in Tabora verbringen und auch an einem sogenannten School Day teilnehmen. Dieser steht jedes Jahr unter einem anderen Motto. Dieses Jahr ist es Sport. Die Kinder und Jugendlichen zeigen ihr Können und haben auch Auftritte wie Kampfsportarten oder Tänze einstudiert. Auch die Eltern der Schüler sind mitgekommen. In Tabora ist eine regelrechte Schulfamilie entstanden. Das wünschen wir uns auch für Iyolwa in Uganda.


 

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